Versprechen gehalten!

Weil ich ja nachts nichts besseres zu tun habe, hier endlich die Bilder von unserem chaotischen Gartenbau-Projekt:

Der catwalk durchs Wohnzimmer:
Rampe durchs Wohnzimmer

Die Reste des alten Beetes und des unverwüstlichen Feigenbaumes:
Ade Feigenbaum

Neue Deko für den Flur:
Schubkarre im Flur

Es war einmal ein Garten:
Gartenchaos

Hier fehlt nur noch eine Rolle Stacheldraht:
Berliner Mauer

Endlich geschafft!
Ergebnis

Totales Chaos oder …

Es gibt kein größer‘ Leid, als man sich selbst andeit.

Ich kann es nur bestätigen! Dem jahrelangen Wunsch nach einer etwas breiteren Terrasse, einer gescheiten Trennwand zum Nachbarn und der Notwendigkeit, die morschen Holzpalisaden endlich auszutauschen, folgen jetzt wirklich Taten. Heute Morgen – der strömende Regen hatte endlich etwas nachgelassen – rückten drei Männer an und verwüsteten erst Mal alles, was mir bisher lieb und teuer war.

Schön auch, dass wir ein Reihenmittelhaus bewohnen und der Zugang zum Garten nur durch eben dieses erfolgen kann. Noch besser, dass unser Haus versetzte Ebenen hat und wir über massenhaft Treppen verfügen! Jeder Stein, jeder Sack Zement, jede Spitzhacke muss erst ein paar Stufen rauf und zum Haus hinein, hinten wieder ein paar Stufen runter und zum Haus raus getragen werden. Wir wussten schon, warum wir das so lange vor uns hergeschoben haben. Dann fühlten wir uns stark genug, das Chaos durchzustehen und fanden erst einmal niemand, der gewillt war, diese Arbeiten auszuführen. Dass das mit dem jetzigen Unternehmen klappt, habe ich auch erst geglaubt, als sie heute Morgen wirklich vor der Tür standen.

Die Mitarbeiter haben dann erst einmal eine Ortsbesichtigung vorgenommen und sind mit dicken, grobstolligen Schuhen einmal durch den pitschnassen Garten und dann wieder durch die Wohnung gelaufen. Nachdem der Fußboden richtig eingesaut war, haben sie dann doch Folie ausgelegt, Auffahrschienen für die Schubkarre im Wohnzimmer verlegt und eine kleine Rampe über die Türschwelle an der Terrasse gebastelt.
Wir hatten gestern schon Türen aus- und Möbel zugehängt, Bücherregale geräumt, die Kübelpflanzen im Garten rumgewuchtet und die Pflanzen ausgebuddelt, die wir im neuen Beet wieder einsetzen wollen. Danach waren wir eigentlich schon restlos bedient.
Die nächsten Tage und Wochen werde ich starke Nerven brauchen und die ein oder andere virtuelle Schulter, an der ich mich ausweinen kann! Macht Euch auf was gefasst: Caipi wird jammern!

Der Lauscher an der Wand

Wir saßen am Samstag auf der Terrasse und waren am Grillen. Normalerweise sind wir da ziemlich alleine, weil die Nachbarschaft die Abende lieber vor dem Fernseher verbringt. Nicht so an diesem Tag. Unser Nachbar hatte sich Gäste eingeladen und da die Terrassen aneinander grenzen, kriegt man zwangsläufig auch die Gespräche mit, die dort stattfinden. Das kann durchaus informativ, spannend oder auch lustig sein. Diesmal war es – ungewollt – sehr lustig.

Beim Aperitif unterhielt man sich angeregt über Gartenbau, was in dem Dschungel, den unser Nachbar für einen Garten hält, durchaus nicht unangebracht ist. Lustig war es zu hören, was er angeblich alles dafür tut, dass das Grün so üppig ist und seine profunde Sachkenntnis. Wir wissen, dass er gar nichts in seinem Garten macht. Wirklich überhaupt gar nichts! Alles wächst einfach in den Himmel.
Die Vorbesitzer hatten das bisschen Land mit Büschen und Bäumen total überfrachtet und niemals wird hier irgendetwas beschnitten oder im Zaum gehalten. Der ehemalige Rasen ist verkahlt, hier wächst noch nicht mal mehr Unkraut. Die eine Rose – die einzige Pflanze, die in dem Urwald noch ein bisschen Sonne abkriegt – blüht in drei Metern Höhe, der untere Teil besteht nur aus kahlen Stängeln. Sehr dekorativ. Das Efeu, das an der Hauswand entlang wächst, hat sich längst der Markise bemächtigt und verhindert mit seinen stabilen Trieben, dass diese noch ausgefahren werden kann. Na gut, bleibt sie halt drin. Ist mir ja egal. Nicht egal hingegen ist, dass es auch unsere Hauswand einzunehmen versucht und wir das Mistzeug regelmäßig entfernen müssen. Der Herr Nachbar tut ja nix. Aber egal, mit dem Mund jedenfalls ist er DER Gärtner vor dem Herrn!

Wir unterdrücken das Lachen und wenden uns unseren Steaks zu. Die Nachbarschaft speist lieber im Wohnzimmer, kommt aber nach dem Essen wieder raus. Es ist kurz nach 21.00 Uhr, als der Hausherr wohl sein Glas erhebt und lauthals verkündet: „Schön, dass Ihr da ward!“ Ich hätte das als Rausschmiss empfunden, aber seine Gäste blieben stur hocken. Nun wurde diskutiert, was man als nächstes trinken könne. Sekt gab es wohl noch, aber der war zum Bedauern der Damen nicht gekühlt. Vermutlich wurde dann Rotwein serviert, was einen der Gäste zu der Bemerkung veranlasste, dass er am liebsten Rotwein mit Fanta trinkt. Gourmets unter sich! Später folgte noch der Spruch, dass er ein ganz einfaches Mineralwasser auf dem Markt gefunden habe, das ihm weit besser schmecke als französischer Rotwein. Ich schloss daraus, dass der kredenzte Vino tinto seinen gehobenen Ansprüchen nicht genügte.

Mein Mann war inzwischen Kopf schüttelnd ins Wohnzimmer verschwunden und guckte Fußball. Ich rückte draußen immer mal mit dem Stuhl um kund zu tun, dass nebenan noch jemand da war. Das interessierte die Gästeschar aber herzlich wenig; die Gespräche wurden „geistreicher“ und erheblich lauter.

Nun wurden diverse Themen durchgehechelt: Alternative Medizin, Literatur, kulturelle Veranstaltungen etc. Von Globuli über Brecht bis hin zu Marilyn Monroe und Howard Carpendale.
Je später der Abend, desto seichter die Gespräche!
Nein, stimmt nicht! Irgendwann ging es auch noch über die positiven Auswirkungen des ökologischen Hausbaus auf den menschlichen Körper. Aber holla! Jeder wusste was über Kopfschmerzen, die aus der Tapete kommen! Der Gast bewohnt wohl ein altes Fachwerkhaus, das teilweise restauriert und die Gefache mit Stroh und Lehm erneuert wurden. Seine Ausführungen bewog eine der Damen zu der Frage, aus was denn Lehm bestünde, woraus dieses Material denn hergestellt würde. Sie habe von so was ja keine Ahnung.
„Stimmt!“, dachte ich mir und bin zum Ablachen mal schnell aufs Klo.