Sebastiani

Gestern hat es den ganzen Tag wie wild geschneit, die Sicht war gleich null. Trotzdem haben wir uns zu unserer Lieblingshütte aufgemacht. Bis wir mit dem elend langen Schlepplift endlich den ersten Berg erklommen hatten, sahen wir aus wie Schneemänner. Ich hatte meinen Schal vergessen und hatte das weiße Zeug sogar unter der Jacke. Wir klopften uns ein bisschen frei und fuhren das kurze Stück zum nächsten Lift. Wieder ging es bergauf und hinein in dichten Nebel. Ganz tolle Sache!
In kleinen Bogerln, wie wir es mal im Anfängerkurs gelernt hatten, arbeiteten wir uns durch die Schneeberge und den ersten Hang hinunter. Bei einer kleinen Verschnaufpause sah ich, wie sich etwas Rotes an einem Abgrund bewegte. Wir gleich hin um zu sehen, ob wir helfen können. Die Dame hatte im dichten Nebel die Piste nicht mehr gesehen und war in den Abgrund gefahren. Sie war mutterseelenallein und heilfroh, dass ihr nichts passiert war. Sie musste sich aber ein ganzes Stück durch den Tiefschnee wieder hinaufkämpfen und war ziemlich fertig, die Arme.

Wir sind den restlichen Hang runter gefahren, sind zum Sessellift und waren froh, dass wir sitzen und uns mit der Haube gegen den Wind und das Schneegestöber schützen konnten. Gesehen haben wir gar nichts und konnten nur hoffen, dass wir rechtzeitig den Absprung hinkriegen. Ich hatte eigentlich die Schnauze schon gestrichen voll, wusste ich doch, dass uns noch ein ganz beachtlicher Anstieg zu Fuß bevorstand. Der Schnee war nass und klebte auf und unter den Skiern, beim Laufen bildeten sich dicke Schneeklumpen an den Schuhen. Auf halber Strecke hätte ich eigentlich mal ein Sauerstoffzelt gebrauchen können. 8|

Es war kurz nach 11.00 Uhr, als wir endlich in der Hütte ankamen. Die Wirtin feierte ihren 65. Geburtstag und wir hatten im Rucksack eine Flasche Wein und Pralinen für sie mitgenommen und waren froh, dass wir alles unversehrt abliefern konnten. Als wir wieder Luft hatten, sangen wir ihr sogar noch ein Geburtstagsständchen.
Sie hat sich richtig doll gefreut über unseren Besuch, war doch bei diesem Sauwetter nicht mit vielen Gästen zu rechnen.
Wir hatten richtig schön Zeit zum Plaudern, Essen und auch zum Trinken. Apropos: es war der Tag des Sebastiani. Das ist wohl irgendein Heiliger, der für die Gesundheit zuständig ist, wenn ich das richtig kapiert habe. Jedenfalls muss man an diesem Tag praktisch mit jedem einen Schnaps auf die Gesundheit trinken. Am besten gleich zum Frühstück. 88| Wir hatten unseren ersten gegen 11.30 Uhr und es blieb auch nicht bei dem einen. Überall, wo man hinkommt, kriegt man einen solchen Schnaps. Im Laufe des Tages hatten wir so viel von dem Zeug, dass ich mir die nächsten paar Jahre keine Gedanken mehr um meine Gesundheit machen muss. Halleluja! 😳
In der Hütte jedenfalls haben wir erstmal rumgesessen bis nachmittags und haben uns langsam einschneien lassen. Der Rückweg war wieder entsprechend anstrengend.
Danach noch kurz zum Aprés-Ski und dann zügig zum Mittagsschläfchen.
Am Abend waren wir Fisch essen – mit reichlich Knobi und noch mehr Sebastianis.
Soviel Gesundheit hält mein Körper gar nicht aus; die Nacht war unruhig und von Schweißausbrüchen begleitet was dazu führte, dass mir heute Morgen weder der Schneeschieber, noch der Mann mit der Bohrmaschine irgendetwas anhaben konnten. Ich hab’ schlicht verschlafen! 😐

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Schock!

Da kommt man von einem schönen Wochenende zurück, hört entspannt den Anrufbeantworter ab und ist einfach nur geschockt. Richtig geschockt! 8|

Eine liebe Freundin – nein, DIE Freundin – ist mit Blaulicht und tatütata ins Krankenhaus eingeliefert worden, und das nicht etwa wegen einer Blinddarmentzündung. Der schlimme Anfangsverdacht hat sich bestätigt. Nun liegt sie auf der Intensivstation und überall ragen Schläuche und Drähte aus ihr heraus.
Es ist schrecklich, einen lieben Menschen plötzlich so hilflos zu sehen und nichts tun zu können! Zwar ist sie schon wieder guter Dinge und hofft, bald von den Gerätschaften um sie herum loszukommen und auf eine normale Station verlegt zu werden, aber ein gewaltiger Schuss vor den Bug war das schon. Plötzlich wird einem bewusst, dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist!

Ich hoffe und wünsche ihr, dass es ihr bald besser geht und sie nach der Reha wieder ein annähernd normales Leben führen kann.

Ich denke dauernd an Dich, meine Liebe und drücke Dir alle Daumen! :yes:

Götterdämmerung

Nun geben sie es also zu. Natürlich nicht alle, sondern nur eine Hand voll Ärzte sagen, was Otto Normalverbraucher schon lange weiß: auch Halbgötter machen Fehler.
Immer mal wieder liest man über vergessene Gegenstände in Bauchhöhlen, amputierte gesunde Gliedmaßen und Patienten, die vom OP-Tisch gefallen sind. Viele Fehler ließen sich mit ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verhindern. Beim Zählen des OP-Bestecks nach einer Operation müsste auffallen, dass da was fehlt – wenn denn gezählt wird. Ein einfaches Markieren des kranken Beines würde die falsche Amputation verhindern.
Wer ist dafür verantwortlich und sollte vielleicht der Patient selbst vorsorgen und auf das gesunde Bein ein „hier nicht!“ oder „andere Seite!“ draufschreiben? 8| Geht vielleicht doch zu weit. Obwohl: ab ist ab und Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Ich werfe den Ärzten nicht vor, dass sie Fehler machen. In Dauerschichten ist niemand mehr auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit. Jeder Handwerker hat schon mal irgendwo einen Schraubenzieher liegen lassen, nur dass das nicht so gravierende Folgen hat. Am System muss was geändert und Abläufe müssen optimiert werden.

Was will uns das Eingeständnis der Ärzteschaft über ihre Fehlbarkeit sagen? Keine Ahnung. Ich kann nur jedem raten, seinen gesunden Menschenverstand einzusetzen und nicht blind zu vertrauen. Auf dem OP-Tisch hat man keine Möglichkeit einzugreifen, aber vorher und nachher sollte man auf der Hut sein und sich nicht scheuen, Fragen zu stellen – und zwar so lange, bis man eine befriedigende Antwort erhalten hat. Mein Misstrauen hat mich mal davor bewahrt, das Krebsmedikament meiner Bettnachbarin zu schlucken. Selbst wenn das bei mir wahrscheinlich keinen großen Schaden angerichtet hätte … was hätte meine Nachbarin dann bekommen? :??:

Also Leute, wenn es denn mal sein muss: haltet die Augen offen und vertraut nicht blind. Ärzte sind auch nur Menschen und keine Götter, auch wenn sie ganz oft so tun!