Endlich ist mal was los!

Das Mittagessen hatten wir gerade absolviert, als ein merkwürdiger Brandgeruch um die Ecke waberte. Zum Heizen war es eigentlich zu warm, also musste etwas anderes der Grund für den Geruch sein. In Brasilien sind ja leider immer noch Brandrodungen Gang und Gäbe – das geht schnell und ist billig. Scheiß doch auf die Umwelt. Aber hier, mitten in der Stadt??
Obwohl, wir haben schon erlebt, dass ein ganzer Berg in einer Millionenmetropole tagelang in Flammen stand und das Atmen unmöglich machte und wir sind auch schon über eine brennende Autobahn gefahren. Das Feuer vom Feld hatte sich bereits über zwei Fahrspuren der Straße gefressen. Gas geben und durch. Wohl war mir nicht dabei.

Kurze Zeit später konnte ich ausmachen, woher der Geruch jetzt kam: Wir können genau auf den Pausenhof einer nahe gelegenen Schule schauen und das an diesen Hof angrenzende, brach liegende Grundstück brannte lichterloh! Der Wind trieb den Qualm direkt in unsere Richtung. Inzwischen waren auch die Hausangestellten der Nachbarn zusammengelaufen und kamen mit ihren „Nossa!“-Rufen kaum noch hinterher (Nossa = kurz für Nossa Senhora, die Mutter Gottes). Vom Hausmeister war zu erfahren, dass wohl die Feuerwehr vor Ort sei. Die löschten den Brand aber nicht, sondern passten nur auf, dass sich das Feuer nicht unkontrolliert ausbreitet. Es stank mittlerweile zum Gott erbarmen und überall flogen verkohlte Pflanzenreste durch die Gegend. Selbst bei geschlossenen Fenstern konnte man das Knistern der Flammen hören.

Ein paar Stunden dauerte dieser Spuk, dann war es vorbei. Unser frisch geputzter Balkon sah anschließend so aus:

Die Kinder auf dem Schulhof gingen übrigens möglichst nah ran an das Geschehen. Endlich war mal was los! Keiner der Lehrer machte Anstalten, sie ins Haus zu rufen, obwohl man kaum noch atmen konnte. Die spinnen, die Brasis!

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7 + 4

„Du Caipi, hast Du mal ein Handtuch für mich?“
Ich stehe in der Küche und bin gerade mit dem Feintuning meiner Salate beschäftigt und wundere mich ein bisschen, was einer unserer Gäste denn wohl mit einem Handtuch vorhabe. „Der Theo ist in den Teich gefallen“, höre ich ohne Nachfrage.
Das geht ja gut los! Theo ist das Kindergartenkind der Familie und eines von insgesamt vieren, die heute unseren Garten bevölkern. Dazu noch sieben Erwachsene, damit ist das Fassungsvermögen unseres Gartens wohl erreicht. Grillfete 7 + 4 sozusagen. Die zwei großen Kinder gehen schon in die Schule, das Jüngste kann immerhin schon laufen. Alle sind beweglich und ziemlich agil. Unser Garten ist winzig und der Teich tief. Das kann ja heiter werden, schließlich ist noch nicht mal der Begrüßungssekt ausgetrunken. 8|

Theo hat’s überlebt, ist aber merklich ruhiger geworden. Er wurde trocken gelegt und aus meinem Kindersachenfundus – eigentlich für unser Projekt in Brasilien bestimmt – fand ich noch ein viel zu großes TShirt, in dem Klein-Theo aussah, wie ein Gespenst.

Nächste Gefahrenquelle: der Grill. Zwar war der zugestellt mit den Stühlen für die Großen, aber die Knirpse kriechen ja durch den engsten Spalt und mussten immer wieder verscheucht werden. Alles was Spaß macht, darf man nicht – das ist gemein!
Ok, dann hauen wir uns halt gegenseitig die mitgebrachten Federballschläger um die Ohren. Der Vater griff erneut ein und platzierte die „Waffen“ außer Reichweite.

Inzwischen waren ein paar kleine Snacks auf dem Tisch und einiges davon mundete auch den Knirpsen. Jetzt waren sie wenigstens beschäftigt, bis die Würstchen so weit waren. „Wenn Du so viel vorneweg isst, passt ja gar kein richtiges Essen mehr in Deinen Bauch“, meinte mein Mann zu dem Großen. „Hast Du ’ne Ahnung, was ich alles futtern kann!“, war die prompte Antwort (was sich im Übrigen im Laufe des Mittags noch bestätigen sollte).

Theo zog inzwischen schon wieder seine Kreise um den Teich, ein verschmitztes Grinsen auf den Lippen. Seine große Schwester hatte die Aufsicht übernommen und nahm regen Anteil an der Erziehung ihres Bruders: „Wenn Du noch mal in den Teich fällst, fängst Du Dir aber eine!“ Es war klar, was sie damit meinte. Theo blieb völlig unbeeindruckt.
Klein-Svenja saß derweil still auf der Bank und zerpflückte vergnügt den Inhalt von Mutters Brieftasche. Ein braves Kind! ;D

Dann gab es Essen und was ich am wenigsten vermutet hätte: die Maiskolben – nicht jedermanns Geschmack – fanden reißenden Absatz. Es kommt immer anders, als man denkt, aber es war ja von allem genug da und geschmeckt hat’s offensichtlich auch.

Ich räumte die abgefressenen Teller in die Küche und die Kids nahmen die Gelegenheit beim Schopfe, unsere Wohnung etwas näher zu inspizieren.
„Nein, Theo, das ist ein Regal und kein Klettergerüst!“
Paul kann schon lesen und entziffert das Schild an meiner Küchentüre ‚Ca-i-pis Hee-x-een-küü-chee‘.
„Warum steht da Hexenküche? Kannst du etwa hexen? In eeecht?“
„Klar, warte mal ab, nachher hexe ich uns noch einen Nachtisch herbei!“
„Au fein, darf ich zugucken?“
„Nee, in eeecht nicht – sonst funktioniert es nämlich nicht.“
Zum Hexen brauche ich ein bisschen Ruhe.

Theo hat inzwischen die sehr fragile Insektenschutztür an der Terrasse näher unter die Lupe genommen und überlegt sichtbar, ob man daran wohl schaukeln könne. Wieder greift der Vater ein und ich bewundere seine Ruhe und Gelassenheit. Ok, der ist das ja gewohnt. :yes:

Bei meiner Hexen-Aktion kam Rote Grütze mit Vanillesoße raus und eine Quarkspeise, damit für jeden Geschmack was dabei ist. War aber gar nicht nötig, die Kinder sind Alles(fr-)esser und wollten das gesamte Sortiment auf ihren Tellern haben. Das wurde dann kräftig verrührt und herausgekommen ist wohl so was Ähnliches wie Fruchtknirpse oder wie das Zeug heißt. Paul und Lea waren begeistert! Theo saß inzwischen auf dem Schoß von meinem Mann und lies sich von seinem neuen Kumpel die kleinen Beerenkernchen aus dem roten Zeug fischen. Steine isst er nicht! |-| Er sieht inzwischen aus, als habe er kopfüber in der Grütze gelegen – oder ist das etwa noch der Ketchup von vorhin? Egal, am Abend ist eine Ganzkörperreinigung fällig, so viel steht mal fest.

Es war ein ausgesprochen kurzweiliger Nachmittag und als es zum Abschluss noch eine Caipirinha für die Erwachsenen gab, wollten natürlich auch die Kinder was mit Eiswürfeln drinnen. War ja klar! Die Gläser blieben dann nett in der Sonne stehen, weil inzwischen etwas anderes viel interessanter war. Gezetert wurde erst, als die Mutter die Kindergläser mit den geschmolzenen Eiswürfeln ausgetrunken hatte. :))

Ich hab’ die Bande mit einer Packung Gummitiere als Proviant für den Heimweg wieder versöhnt und alle haben versprochen: sie kommen wieder!

Kommentar meines Liebsten, als wir nach den Aufräumungsarbeiten noch bei einem Glas Wein zusammen gesessen haben: „Dass die Fete gut wird, war mir schon klar, als wir den Theo aus dem Wasser gefischt haben!“ Recht hat er!

Der kleine Knirps

Schon 10 Jahre wird er alt, mein jüngster Neffe, und wieder stelle ich mir die Frage, wo eigentlich die Zeit geblieben ist. So lange ist das doch noch gar nicht her, dass er gerne mal bei uns übernachten wollte, wir stundenlang auf dem Fußboden rumgekrochen sind und Parkhäuser (bevorzugt! Er ist ein Kind der Neuzeit) aus bunten Bausteinen erstellt haben. Meist wurden die Bauwerke anschließend mit kleinen Bällen beworfen und zum Einsturz gebracht.

Wir haben gemeinsam gekocht und ich musste immer aufpassen, dass ich nicht „Karotte“ sagte, wenn er das Gemüse schnippeln durfte – er aß nämlich nur Möhren! Oder war es umgekehrt? Egal. Erbsen jedenfalls gingen auch nicht, die rollten immer von der Gabel und außerdem aß sein Vater ja auch keine. 🙄

In der Weihnachtszeit haben wir gemeinschaftlich Plätzchen gebacken. Ich selbst hasse diese Tätigkeit, aber Kinder sind ganz scharf drauf und der kleine Mann machte da keine Ausnahme. Hinterher klebte die ganze Küche und alles war mit buntem Zuckerguss verschmiert, aber das war egal. Wir hatten beide unseren Spaß – er etwas mehr als ich. :-/ Sogar eine Weihnachtskrippe haben wir gebastelt, die an Heilig Abend das Wohnzimmer schmückte.

Inzwischen fährt er lieber mit dem Fahrrad durch die Gegend oder „surft“ im Internet, sprich: er besucht regelmäßig die Webseite seines bevorzugten Spielzeugherstellers.
Selbst mit seinen Wünschen ist er etwas zurückhaltender geworden. Früher stellte er der Verwandtschaft schon im Juli den Spielwarenkatalog zur Verfügung, im dem seine Wünsche angekreuzt waren. Eine ganze Zeit lang war praktisch jedes Teil in besagtem Katalog angekreuzt 8| – mit Ausnahme der speziellen Mädchenartikel, die er sämtlich doof fand.

Jetzt musste ich sogar mehrmals nachfragen, was er sich denn zum Geburtstag wünsche. Gestern kam sein Anruf. Er hat tatsächlich noch einen kindlichen Wunsch offen, auch wenn er seinem Geburtstag nicht mehr ganz so entgegen fiebert, wie noch im letzten Jahr. Ganz cool erklärte er mir: „Na ja, noch dreimal schlafen“.
Aus Kindern werden Leute!

Leute, bin ich denn ein Kiosk …

… oder bin ich etwa ’ne Bank,
oder seh‘ ich aus wie ein Hotel oder wie’n Kassenschrank?

Nun kommen sie wieder vermehrt, die Bettelanrufe. Heute hatte ich schon zwei (bis gerade mal 10.00 Uhr!). Schulsport-Sponsoring; ich soll Bälle kaufen für € 37,50 das Stück oder Geld locker machen für den örtlichen Tierschutzverein. Ich sehe ja ein, dass man Ideen entwickeln muss, um an anderer Leute Geld zu kommen. Das versuche ich ja schließlich auch für unser Projekt. Ich grabsche mir aber nicht einfach ein Telefonbuch und rufe wahllos Firmen an. :crazy:
Das ist wohl der Fluch der Flatrate-Telefonie.

Ach ja, es weihnachtet ja auch schon wieder. Also werden auch noch etliche gleichartige Briefe kommen.
Ich erwarte also Post von den SOS-Kinderdörfern, Blindenhilfswerken, der örtlichen Feuerwehr, Krebshilfe, diversen religiösen Einrichtungen und, und, und.

Das Geld, das diese Institutionen für Werbematerial und Porto verpulvern, würde unseren Kindern http://www.Kinderhorizonte.de für lange Zeit ein sorgenfreies Leben bescheren.

Mich macht das wütend! :##