Ein Sack Flöhe

… ist leichter zu hüten, als ein neurotischer Kater und ein Kleinkind zur gleichen Zeit!

Unser Pflegekater hatte gerade mal einen Tag Zeit, sich bei uns einzugewöhnen. Die ersten Stunden verbrachte er ausschließlich in seinem Transportkorb und inspizierte erst gegen Mittag vorsichtig das neue Terrain. Bis zum Abend hatte er Vertrauen gefasst, den Fressnapf und das Katzenklo gefunden und sich mit der neuen Umgebung arrangiert.

Etwa zur gleichen Zeit kam der Notruf: Tagesmutter erkrankt; Mama und Papa haben dringende Termine und ob ich nicht vielleicht einen halben Tag auf die kleine Maus aufpassen könne. Klar kann ich! Die Kleine ist überaus niedlich und pflegeleicht. Ein paar Bedenken hatte ich zwar wegen der Katze, aber Klein-Nora ist an den Umgang mit Katzen gewöhnt und hat da keine Berührungsängste.
Nora nicht … wohl aber der Kater!

Der saß nichts Böses ahnend im Wohnzimmer, als mein Pflegekind gebracht wurde. Nora (2 Jahre) zog eilig Jacke und Schuhe aus und stürzte fröhlich lachend ins Wohnzimmer, wo inzwischen die Spielkiste stand.
Der Kater wertete das sofort als Angriff auf sein Leben und versuchte, sich mit einem beherzten Sprung durch die Terrassentür zu retten. Blöd halt, dass die geschlossen war. Er krachte mit voller Wucht gegen die Scheibe und sauste dann wie ein geölter Blitz durchs Wohnzimmer; rettete sich in den vermeintlich sicheren Flur.
Klein-Nora quietschte vor Vergnügen, deutete mit dem Finger in Richtung Flur und kommentierte das lautstark mit „Tatze!“. Der Kater war kurz vorm Herzkasper! Jetzt sauste er die Treppe hoch und kauerte sich in die aller letzte Ecke. Nora machte Anstalten, sich mit ihm anzufreunden und musste auf halber Strecke wieder eingefangen werden.

Stattdessen spielten wir mit ihrer Eisenbahn, aßen Käsebrot, wechselten die Windel und „unterhielten“ uns. Alles war recht friedlich und der arme Kater dachte wohl, dass jetzt wieder Ruhe eingekehrt sei. Langsam und gaaanz vorsichtig pirschte er sich wieder ran. In geduckter Haltung saß er im Eingang zum Wohnzimmer und beobachtete uns.
Zeitgleich erfand Nora ein neues Spiel: Stabile Untersetzer mit Schwung vom Tisch auf den Boden befördern. Spitzenidee! 88| Krachtend fielen die Untersetzer auf den Laminatboden, begleitet von ihrem herzhaften Juchzen. Der Kater jaulte auf und raste zurück in sein Versteck. Nora hinterher. Zum Glück ist sie auf der Treppe noch nicht so schnell, so dass ich sie erneut von einer Kontaktaufnahme abhalten konnte. Ein bisschen Überredungskunst hat es aber schon gebraucht. Die Tatze ward nicht mehr gesehen!

Nora wurde mittags wieder abgeholt; der Kater ließ sich erst gegen Abend wieder blicken. Inzwischen hat er wohl auch dieses Abenteuer verdaut; seine kleine Katzenwelt scheint in Ordnung. Es darf halt nur niemand an der Tür klingeln … dann gibt er Fersengeld!
Eine gute Woche bleibt mir der tierische Pensionsgast noch erhalten. Langeweile wird wohl nicht aufkommen.

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