Bürgerpflicht

Nun waren wieder mal Wahlen. Das Wählervotum in Baden Württemberg und Rheinland-Pfalz ist landesweit bekannt; ARD und ZDF berichten in gewohnter Manier mit Hochrechnungen, Sitzverteilungen und Interviews von Siegern und Verlierern. Man kennt und schätzt das.

Worüber kein Mensch redet – weil es für den Rest der Republik eher nicht so spannend ist – auch in Hessen wurde gewählt: Stadtverordnete, Ortsbeiräte und sogar über eine Änderung der Hessischen Verfassung wurde abgestimmt. Der Vorgang des Wählens ist den meisten von uns inzwischen bekannt. Du kriegst ein Kärtchen und sollst am Wahltag in der nächstgelegenen Schule o.ä. antreten und Dein Kreuzchen machen.

Diesmal war es komplizierter. Kumulieren und Panaschieren stand an. Vor einigen Wochen kam ein DIN A4-Umschlag mit Wahlinfos ins Haus geflattert, damit sich der geneigte Wähler schon mal in die Materie einarbeiten konnte. Für die Stadtverordneten hatte jeder Wähler 81 Stimmen zur Verfügung, für die Ortsbeiräte immerhin 17.

Vor ca. zwei Wochen kam dann die eigentliche Wahlbenachrichtigung – ebenfalls in Form eines Briefes – dem dann auch der Wortlaut des zu ändernden Verfassungsparagraphen beigefügt war. Mit dem Brief sind wir heute ins Wahllokal gezogen. Viel los war dort nicht, was auch an der Uhrzeit gelegen haben mag; wir sind um 13.00 Uhr dort eingelaufen – zu einer Zeit also, wo die meisten Menschen ihr Mittagessen einnehmen.

Easy war die Verfassungsänderung. JA oder NEIN ankreuzen und fertig. Der Zettel für die Ortsbeiräte war schon größeren Ausmaßes und 17 Stimmen wollen ja auch erst man verteilt werden. Dann aber kam es: in einer Wahlkabine 60 X 60 cm sollst Du ein Papier entfalten, das eine Seitenlänge von 80 X 60 cm hat. Die restlichen Papiere sollten dabei nicht auf den Boden fallen, außerdem musst Du den irgendwo mit einer kurzen Kordel festgebundenen Kugelschreiber zu fassen kriegen und den riesigen Abstimmungsbogen geschickt um die Handtasche herum drapieren, die ja auch noch in der Kabine untergebracht werden muss. Wenn Du das alles erledigt hast, hast Du eigentlich schon keinen Bock mehr, Deine Kreuzchen zu verteilen. Ich hab’s auch nicht gemacht, sondern schlicht die Partei gewählt, von der ich glaube, dass sie meine Interessen am besten vertritt. Das ging nämlich auch und davon habe ich gerne Gebrauch gemacht, zumal ich die meisten der Herrschaften auf dem Zettel gar nicht kenne.
Mag sein, dass ich es mir zu einfach gemacht habe, aber immerhin bin ich meiner Bürgerpflicht nachgekommen. Ich kenne einige, die nach Erhalt der Wahlinfos den ganzen Kram ins Altpapier geschmissen und aufgesteckt haben. Viele fanden das zu kompliziert und zeitaufwändig … was ja sicher nicht im Sinne des Erfinders ist.

Demokratie ist auch kein Honig schlecken! 😉

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