Das Griechen-Problem

Nee. Nicht das Problem der Griechen mit ihrer Wirtschaft, sondern mein Problem mit der griechischen Wirtschaft, in der wir gestern Abend waren.

Der Wirt kennt uns und weiß, dass wir verfressen und einem guten Tropfen nicht abgeneigt sind. Wir haben Hunger und bestellen uns eine gemeinsame Vorspeise, um noch Platz für das Hauptgericht zu haben. Wir lassen uns beraten und wählen eine gute Flasche Rotwein, die auch prompt geliefert wird. Dazu gibt es erstmal einen Gruß aus der Küche, der den Tagesbedarf an Knoblauch schon mal großzügig abdeckt.
Dann kam das bestellte Tsatsiki, das auch für eine vierköpfige Familie als Vorspeise gereicht hätte, frisch gebackenes Pitabrot und – falls das nicht reicht – noch ein Körbchen mit Baguette. Danach waren wir satt!

Ich stöhnte schon leicht, als ich einen riesigen Salatteller (lecker, mit Wildkräutern und Blüten) auf unseren Tisch zukommen sah. Der war für mich; mein Mann lehnte sich entspannt zurück und grinste.
Ich stopfte tapfer Teile der Blumenwiese zu dem Knobi-Brot-Joghurt-Gemisch und spülte immer mal mit Rotwein nach. Jetzt war ich reif für einen Kaffee und ganz sicher auch für ein Wöhlerchen.
Stattdessen wurde die Hauptspeise gebracht. Kalbsleber mit Zwiebeln und griechischen Bratkartoffeln für mich, mit Schafskäse gefüllte Hackfleischklopse für meinen Mann, dem gerade das Grinsen aus dem Gesicht fiel. Mist, wieder kein Tupper-Dippchen dabei!

Bei unserem Kampf beschränkten wir uns auf das Wesentliche – in meinem Fall zwei große Scheiben super zarter Kalbsleber. Das Kartoffel-Zwiebelgebirge blieb im Wesentlichen unangetastet.

Jetzt aber wirklich Kaffee und Metaxa, zurücklehnen und schweigend die Bäuche reiben. Wir hatten es geschafft! Einen letzten Schluck Rotwein noch und dann die Rechnung bitte. Der Sohn des Wirtes kassierte und lenkte uns mit der Frage nach einem Getränk aufs Haus ab. Wir entschieden uns für weiteren Metaxa und der Sohnemann zischte in Richtung Tresen ab.
Zeitgleich kam der Wirt aus der Küche … mit einem Teller Halwa und zwei Gläsern Dessertwein in der Hand. 88| Boah, jetzt macht er uns fertig!!!
Ablehnen geht nicht. Der Wein ist sehr lecker, auf griechische Nachspeisen kann ich allerdings gut verzichten. Ich picke trotzdem ein bisschen auf dem Teller rum, lasse dann aber unauffällig ein paar Teile erst in einem Tempo und danach in meiner Handtasche verschwinden. Ich kann beim besten Willen nicht mehr!

Dann kommt der Metaxa. Nie war er so wertvoll wie heute! :-/ Wir bedanken uns artig und hauen schnell ab. Beim letzten Mal gab es anschließend nämlich noch eine Probe verschiedener griechischer Weine. Der Wirt ist ein Weinkenner und immer stolz, wenn er seine Schätzchen präsentieren kann.

Wir schleppten uns heim und fielen bald darauf in ein tiefes Fress-Koma. 😳 Verdauung fand heute Nacht jedenfalls nicht statt; ich fühle mich, als sei ich soeben vom Tisch aufgestanden.
Ach ja … und ich bin heilfroh, dass ich heute keinen Zahnarzt- oder Friseurtermin habe!