Wie’s früher einmal war

Bei der alljährlichen Vergangenheitsbewältigung ist mir etwas in die Hände gefallen, das ich seinerzeit in einem Nachlass gefunden und aufgehoben habe, um es irgendwann im blog zu verwenden. Heute ist es soweit und Ihr kriegt die „Ton-Rundfunkgenehmigung“ sowie die „Ton-Rundfunkgenehmigung für Zweitgerät“ (Koffertonrundfunkempfangsanlage) aus dem Jahr 1968 zu sehen. „Sorgfältig aufbewahren“ steht oben rechts in der Ecke und das hat die liebe verstorbene Tante auch brav gemacht!

Ton-Rundfunkgenehmigung

Das war seinerzeit schon ein fortschrittlicher Haushalt, in dem natürlich auch ein Fernseher nicht fehlen durfte. Dafür gab es dann die Fernseh-Rundfunkgenehmigung, ebenfalls aus dem Jahr 1968.

Fernseh-Rundfunkgenehmigung

Auch wir selbst haben einen halbwegs fortschrittlichen Haushalt und so leisteten wir uns im Jahre 1987 eine Mikrowelle. Eigentlich wollten wir damals nur eine Lampe kaufen, aber manchmal kommt es halt anders. 😉 Jedenfalls war seinerzeit – ist ja mittlerweile auch schon 24 Jahre her – eine Genehmigung der Deutschen Bundespost für den Betrieb eines Hochfrequenzgerätes erforderlich. Guckstu hier:

Gen. Hochfrequenzgerät

Man beachte den Verwendungszweck „Garen von Speisen“. :>> Natürlich ist auch diese Genehmigung sorgfältig aufzubewahren! Auf der Rückseite befinden sich noch Bedingungen und Auflagen und da steht u.a. geschrieben, dass das Hochfrequenzgerät nur auf dem angegebenen Grundstück betrieben werden darf und eine endgültige Außerbetriebnahme des Hochfrequenzgerätes der DBP mitzuteilen ist.
Au weia, gegen diese beiden Auflagen habe ich verstoßen! 8|

Gerade versuche ich mir vorzustellen, welchen Verwaltungsapparat ich in Gang setzen würde, wenn ich das Gerät jetzt ordnungsgemäß bei der Post abmelden würde. :))
Wenn mir mal ganz langweilig ist, mache ich das …!

Werbeanzeigen

Revival-Abend

Früher gab es eine Menge jugoslawischer Restaurants in unserer Stadt und alle waren gut besucht. Ich hatte mein Lieblingslokal und dort meine Lieblingsspeise, den Serbischen Teller. Da war alles drauf, was lecker ist und am nächsten Tag hatten – dem Knobi sei Dank – die Kollegen auch noch was davon.
Als Jugoslawien zerfiel, verschwanden auch die Lokale und mein Lieblings-Jugo schloss als einer der ersten. Serbischer Teller war jetzt nicht mehr angesagt. Schade.

Eines der alten Lokale jedoch hat sich gehalten und da waren wir am Freitag mit Freunden. Das Gericht Nr. 19 erinnerte an meine frühere Leibspeise und hat auch ähnlich gut geschmeckt. Hinterher gab‘s einen Sliwowitz aus dem obligatorischen Minifläschchen – wie in alten Zeiten – und auch noch eine Julischka aufs Haus. Wir schwelgten in Erinnerungen und weil wir grade so nostalgie-schwanger waren, zogen wir anschließend in unsere Lieblingskneipe, in der sich seit dreißig Jahren nichts verändert hat und lauschten verzückt den alten Beat-Club-Hits. 😀 Natürlich waren uns die Songs noch geläufig nur … von wem war das gleich noch? Wie hieß der Interpret?
Bald war auch der Nachbartisch in das heitere Ratespiel mit einbezogen und mit steigendem Bierkonsum kamen auch ein paar Namen und einige andere Dinge wieder. Sehr amüsant, was da so alles zutage kam … wer welche Erinnerungen mit welchem Hit verbindet. Der erste Kuss mit … ach Gott, wie der Typ hieß, weiß ich gar nicht mehr … Sex mit Angie (oder sagt man „auf“ Angie? Könnte beides missverstanden werden).

Jedenfalls war es sehr lustig, auch wenn ich mir langsam so meine Gedanken mache, wieso wir neuerdings so oft die alten Zeiten heraufbeschwören. :crazy: Aber wir haben ja auch noch genügend Ideen für die Zukunft und das beruhigt mich dann wieder.

Den Abschluss unseres Nostalgie-Abends bildete übrigens eine alte Folge der Golden Girls, in die wir zufällig noch reingezappt sind. Köstlich! Von dieser Serie habe ich früher keine Folge verpasst, obwohl die Mädels immer erst sehr spät kamen und ich am nächsten Tag früh aufstehen musste. Mein damaliger Chef verzieh mir die Müdigkeit – auch er war den vier Damen verfallen.
Das waren noch Zeiten …! ;D

Zeitreise

Dresden – Regen – die Frisur sitzt. Wir hatten das Frühstück hinter uns und glotzten in den grauen Himmel. Es macht absolut keinen Spaß, mit dem Regenschirm auf Entdeckungstour zu gehen und so wurde flugs das Programm umgestellt und wir begaben uns auf Zeitreise.
„Zeitreise“ ist der Name eines Museums, in dem DDR-Geschichte wieder lebendig wird. Für € 7,- erhält man ein Tagesvisum und kann eintauchen in ein Leben, das man als Wessi nur vom Hörensagen kennt.
Im Erdgeschoss ging es um die Mobilität und gleich am Eingang kann man probehalber in einem Trabbi Platz nehmen. Das konnte ich mir schenken, da ich kurz nach der Wende sogar schon mal ein Stück in einem solchen Auto gefahren bin und mich an jedes Schlagloch auf der Straße erinnern kann. 😐 Aber es gab auch Motorräder und Lkws zu bestaunen, und Wohnwagen. Als bekennender Campingfan hatte ich besonderen Spaß an den Knutschkugeln, mit und ohne Vorzelt. Alles nett eingerichtet mit Klapphocker, Plastikgeschirr und Transistorradio. Kam mir alles verdammt bekannt vor. 😀

Im nächsten Stock ging es um das Leben an sich, Haushaltsgegenstände, Wohnungseinrichtungen, Bekleidung („mein Hüfthalter bringt mich um“), Spielzeug. Auch hier hat mich vieles an meine eigene Kindheit erinnert. So furchtbar groß war der Unterschied zwischen Hüben und Drüben gar nicht, wenn man mal davon absieht, dass wir auf unserer Seite des eisernen Vorhangs entschieden leichter an die Dinge des täglichen Bedarfs gekommen sind.

Eine Treppe höher war das öffentliche Leben ausgestellt: Ein Postamt, eine Amtsstube, eine Arztpraxis und Klassenräume. Auch hier holte mich meine Vergangenheit ein und ich wurde brutal an ein frühes Kindheitstrauma erinnert. Zur Einschulung bekam ich von der Ost-Verwandtschaft ein Griffelmäppchen geschenkt: Klein, Vopo-grau und aus Pappe. Darin befanden sich sechs Buntstifte, die sämtlich nur zum Angucken geeignet waren, ein extra harter Bleistift, ein unbrauchbarer Spitzer und ein Radierer, der beim ersten Kontakt mit Papier sofort zerbröselte. :## Alle anderen Kinder hatten schöne bunte Mäppchen mit ordentlichen Buntstiften, Lineal und allem Pipapo und ich musste mit diesem „Ding“ in die Schule gehen! 😥
Es hat erfreulicherweise aber nur bis zum zweiten Schuljahr gehalten und danach hatte auch ich ein ordentliches Mäppchen. Vergessen habe ich das graugrüne Ding aber nie!

Es folgte noch eine Ausstellung mit diversen Uniformen, Abzeichen und Ehrungen, die uns weniger interessiert hat und die wir schnell hinter uns gebraucht hatten.
Insgesamt aber war das Museum wirklich sehenswert und kurzweilig. Eine Zeitreise eben.

Den Rest des verregneten Tages haben wir Schönheit und Wohlbefinden gewidmet, einen kleinen Mittagsschlaf gemacht und uns lustige Masken aufs Gesicht geklatscht. Rein vorsorglich – um niemanden zu erschrecken – haben wir das Schild „Bitte nicht stören“ an die Tür gehängt. :))

Der Abend brachte noch einen längeren Spaziergang (ohne Regen) und ein leckeres Essen in einem wirklich gemütlichen Weinlokal. Der Wein hat uns ausgezeichnet geschmeckt und den Abend wollten wir mit dem Genuss unserer inzwischen gut gekühlten Pulle R*tkäppchen trocken und Knabbergebäck beschließen. Die Betonung liegt auf „wollten“, denn um das Gebäck nicht so runterwürgen zu müssen, haben wir die Minibar bemüht. R*tkäppchen landete ziemlich zügig im Ausguss. Das war uns dann doch zu viel Ostalgie! 88|