Der Regen bleibt liegen

Ende eines Mittagsschlafes: Langgezogenes Donnergrollen. Ich schäle mich aus dem Bett und schlurfe zum Fenster. Einzelne dicke Tropfen haben lustige Punkte auf die Terrasse gemalt. Der Himmel ist blau und mir ist nicht klar, woher diese Tropfen eigentlich kommen.

Mir ist nach einem Kaffee und so begebe ich mich in die Küche, die auf der anderen Seite des Hauses liegt. Hier ist es so dunkel, dass man fast das Licht anmachen muss. Aus den einzelnen Regentropfen ist inzwischen ein ordentlicher Schutt geworden.

Gierig beobachte ich, wie der Kaffee in die Tasse plätschert und wundere mich über das seltsame Geräusch, das vermeintlich dabei entsteht. Die Tasse ist voll, es plätschert nix mehr – aber das Geräusch ist immer noch da. Ein Blick aus dem Fenster gibt die Antwort; es hagelt!
Bis ich wieder im Wohnzimmer bin, ist die Terrasse weiß. Auf dem Tisch findet eine Art Hagel-Ballett statt; die einzelnen Körner hüpfen unterschiedlich hoch und kullern übers Holz. Das ist schön anzusehen, aber die Heftigkeit des Schauers macht mir Angst.
Die Blüten des gerade aufgegangenen Rhododendrons zucken unter dem Angriff, die Clematis sieht zerrupft und traurig aus, die Blätter meines Pflücksalats werden gerade perforiert. Scheißebenkleister!

Zwei Minuten später ist auch dieses Schauspiel beendet. Die Sonne bahnt sich ihren Weg durch das Grau des Himmels. Von den Bäumen tropft es noch, die weiße Schicht taut auf und versickert langsam. Wenn alles abgetrocknet ist, werde ich mir die Flurschäden mal genauer ansehen, die dieses Aprilwetter hinterlassen hat. Den Petunien hat der Hagel sicher auch nicht gut getan.

Den Mai hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt!

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