Der Stinkefinger

Es gibt Tage, an denen fühlt man sich einfach nur genervt. Verpeilte Kunden im Supermarkt, die Schnarchnase im Auto vor einem, das schreiende Plag auf dem Spielplatz. Alle sind nur darauf aus, einem auf den Geist zu gehen! Es stört die sprichwörtliche Fliege an der Wand.

Ganz arg wird es, wenn die Fliege keine Fliege ist, sondern ein blutrünstiges, summendes Etwas, das unser Schlafzimmer als Speisekammer betrachtet und lüstern über uns herfällt, kaum dass wir es betreten haben. Diese Viecher nerven ganz besonders und ich weiß nicht, wie man ihnen zu Leibe rücken kann. Winzig wie sie nun einmal sind, können sie sich überall verstecken: In der Gardine, hinterm Schrank, unter einem Bilderrahmen oder sie werden eins mit der Maserung des Schrankes. Wie man sich auch anstrengt – man hat keine Chance, sich ökologisch korrekt zu wehren. 🙄

Erst kürzlich hat mich ein solches Vieh so in den Wahnsinn getrieben, dass ich eine üppige Menge Insektenspray im Zimmer verteilt habe. Mit dem Erfolg, dass sofort der Rauchmelder durchdringend piepsende Geräusche von sich gegeben hat. Das kommt gut, Sonntagsmorgens um sechs Uhr. Die Nachbarn hatten jedenfalls auch ihren Spaß.

Zugegebener Maßen hat das Zeug aber gewirkt; die folgenden paar Nächte konnten wir unbehelligt schlafen. Heute musste ich nacharbeiten und war damit etwas zurückhaltender, als beim letzten Mal. Jedenfalls blieb der Rauchmelder ruhig. Ich hoffe nur, dass dieses blöde Viech eine ordentliche Ladung davon abbekommen hat. Vor meinem geistigen Auge sehe es nämlich in geduckter Haltung unterm Regal sitzen … hämisch grinsend und mit Stinkefinger in meine Richtung!