Brasilianische Weihnachten

Ich sage Euch, den Brasilianern ist vor gar nix fies … was nicht passt, wird passend gemacht!
Schon seit Wochen sind in der Stadt Arbeitstrupps unterwegs und bringen Leuchtobjekte und Lichterketten an; die Weihnachtssaison beginnt gnadenlos am 12. November und die feierliche Eröffnung des ganzen Rummels fiel auch noch mit dem großen Jahrestreffen des hiesigen Motorradclubs zusammen. Vor dem Kurhotel festlicher Lichterglanz, dahinter die Zeltstraße der Biker mit gigantischen Biervorräten, Grillständen und – ordentlich aufgereiht – Chrom blinkenden Motorrädern.

Gegen acht sind wir die Straße Richtung Kurpark runter gelaufen und landeten gleich mal in einem großen Hupkonzert. Ein mit Lichterketten und –schläuchen geschmücktes Weihnachtsmotorrad mit Anhänger fuhr an uns vorbei, von dem aus Papai Noel den verdutzten Passanten zuwinkte. Nix mit Rentieren oder so … hier ist man modern!

Papai Noel

Auf der Bühne vor dem Hotel brüllte ein Ansager und stimmte die Menschenmassen auf die Ankunft von Papai Noel ein. Sofort setzten sich die Massen in Bewegung und marschierten Richtung Bühne. Das war ein Gedränge … mein Gott! Alte und Lahme wurden mit Rollstühlen rangekarrt, Babys und Kleinkinder auf dem Arm geschleppt. Alle waren mit Fotoapparaten bewaffnet und wer noch eine Hand frei hatte, hielt damit das Handy am Ohr und unterrichtete Freunde und Verwandte, was gerade passiert.
Die harten Biker in ihren Lederoutfits bekamen kindlich runde Augen, was so gar nicht zu der Bierdose passen wollte, die sie umklammert hielten. Ein paar Fußballfans in verschiedenen Vereinstrikots waren ebenfalls unterwegs und alle waren friedlich und hatten sich lieb.

Sehr skurril das Ganze, aber höchst interessant! Muss man mal erlebt haben!

Behindert sein in Brasilien

… muss unglaublich beschwerlich sein. Des Öfteren schon sind mir Menschen mit schwersten Gehbehinderungen in der Stadt aufgefallen, die sich mühselig auf einfachsten Holzkrücken fortbewegten. Rollstühle sieht man im öffentlichen Leben nie (Kinderwägen übrigens auch nur sehr selten), was sicher daran liegt, dass man sich damit hier gar nicht fortbewegen kann. Die Bordsteine sind meist idiotisch hoch, uneben, steil und mit Löchern jeder Größe durchsetzt. Man müsste mindestens zwei Begleitpersonen haben, die den Rollstuhl immer wieder auf die richtige Bahn bringen. Ein einziges Mal habe ich eine Frau im Rolli im Supermarkt gesehen und mich wirklich gefragt, wie sie es wohl bis dorthin geschafft hat.

Natürlich gibt es auch hier Vorschriften, die Menschen mit körperlichen Gebrechen das Leben vereinfachen sollen. Öffentliche Gebäude, Gaststätten etc. sind mit einer Rampe ausgestattet, an den Straßenkreuzungen gibt es mehr oder weniger ordentlich betonierte Rampen, die das Überqueren der Straße ermöglichen sollen. Meist steht just vor dieser Rampe ein Zeitungskiosk oder ein fliegender Händler offeriert seine Waren. Das interessiert niemanden, keiner fühlt sich dafür zuständig. Hauptsache, das Ding ist ordnungsgemäß gebaut!

Natürlich gibt es auch hier Spezialisten für alle möglichen Gebrechen, werden Operationen durchgeführt, künstliche Gelenke etc. eingesetzt. Es gibt auch hier Fördereinrichtungen und Hightech-Hilfsmittel, aber die können sich nur gut Betuchte leisten. Die Masse der Kleinverdiener muss wohl sehen, wie sie mit ihren kaputten Knochen, Gelenken und kranken Muskeln zu Recht kommen.
Diese Menschen werden behindert!

Brasilianische Besonderheiten

Teil 1 – Parken

Andere Länder, andere Sitten!
Um Euch unser hiesiges Leben ein bisschen näher zu bringen, habe ich gerade eine kleine Reihe mit brasilianischen Besonderheiten ins Leben gerufen und beginne sie mit der Beschreibung von „Traumjobs“:

Die wandelnde Parkuhr
Wenn Du in der Stadt irgendwo parkst, steigst Du aus dem Auto aus und hältst Ausschau nach einem meist blau bekittelten Jungen, den Du herbei pfeifst. Dem erzählst Du, wie lange Du zu parken gedenkst und drückst ihm das Geld dafür in die Hand. Er seinerseits füllt umständlich einen Zettel mit der Uhrzeit und dem Autokennzeichen aus, der hinter den Scheibenwischer geklemmt wird. Ein Traumjob, der meist von männlichen Jugendlichen ausgeführt wird.

Als Pendant dazu gibt es für Mädchen den Job der

Parkticket-Zieh-und-Überreicherin
im Parkhaus des Supermarktes. Das ist der Hammer schlechthin!

Stellt Euch ein Parkhaus mit nebeneinander liegender Ein- und Ausfahrt vor. In der Mitte sind die Automaten aufgestellt, an denen Du ein Parkticket ziehen bzw. es beim Verlassen wieder einschieben kannst, damit sich die Schranke öffnet. Zwischen diesen Automaten steht nun ein Mädel, lächelt Dich freundlich an, drückt auf den Knopf, entnimmt das Ticket und überreicht es Dir. Der gleiche Vorgang in umgekehrter Reihenfolge beim Verlassen des Parkhauses.
Sie muss also die Ein- und die Ausfahrt bedienen, was den Job richtig anspruchsvoll macht. Dazu steht sie den ganzen Tag und atmet Autoabgase ein … für einen Hungerlohn!

Kürzlich waren die Ticketautomaten außer Betrieb. Man hätte die Schranke einfach auflassen können, aber das hätte vermutlich zu einem Chaos geführt. Also stand das Mädel an ihrem Platz, lächelte freundlich und erklärte jedem, dass er heute ohne Ticket parken kann/muss/soll.

Diesen Job gibt’s – glaube ich – nur hier!
Die Stellenbeschreibung würde ich gerne mal lesen. :))

Tussi-Urlaub

Nur ein kurzer Abriss der letzten Tage, für mehr ist leider gerade keine Zeit. Gestern bin ich von meiner Kurzreise nach Hause gekommen, habe meine Tasche ausgepackt und kann schon wieder neu packen. Morgen geht es für drei Tage nach Hamburg und ich denke mal, das wird ein richtiger Kulturschock nach dem doch sehr betulichen Baiersbronn. 8|

Es war zwar sehr schön im Schwarzwald, aber auch seeehr ruhig. In dem kleinen Städtchen gibt es noch nicht mal eine Kneipe, in der man abends einfach mal auf ein Bier einkehren kann. Nur Hotels und Cafés und alle stellen frühzeitig die Stühle hoch. Immerhin hat man uns einen Handwerkermarkt und einen Kirbemarkt rund um unser Hotel geboten. Hier haben wir mal ein schönes Alpirsbacher getrunken und ein Paar dicke Gartenhandschuhe aus Leder habe ich auch gekauft – und eine Waffeltüte aus dem Sonderangebot.
Was ich ausgesprochen klasse fand war die Tatsache, dass wir vom Hotel eine Gästekarte bekommen haben, mit der wir im gesamten Schwarzwald alle öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos benutzen konnten. Ohne irgendwelche zeitlichen oder örtlichen Begrenzungen, die man von anderen Gegenden kennt. Das ist mal eine richtig gute Idee! Wir haben die Karte zwar nur für eine Kurzstrecke genutzt (zwei Stationen bis Freudenstadt), hätten aber auch locker damit bis Karlsruhe fahren können. Aber was hätten wir da gesollt?

Die freie Zeit haben wir im Wellnessbereich des Hotels totgeschlagen, haben uns massieren lassen, fein gespeist und waren ausgiebig einkaufen. Abgereist sind wir dann mit jeweils einer kleinen Reisetasche und drei großen Plastiktüten. 😳

Morgen geht es also nach Hamburg. Unsere Fußballmannschaft, die gerade ihr erstes Spiel in dieser Saison gewonnen hat 😀 😀 spielt gegen St. Pauli und braucht unsere Unterstützung. Da der Weg nach Hamburg doch ganz schön weit ist, bleiben wir noch einen Tag dort und gucken mal, was da so abgeht. Ich weiß, dass es da ganz viele Kneipen gibt und bin wild entschlossen, mir die ein oder andere auch von innen anzusehen. Prost!

Der Kerl ist mir sympathisch

Die meisten Fahrten mit meinem Auto absolviere ich alleine und bin eigentlich auch ganz froh darüber, dass mir nicht ständig jemand die Ohren voll labert oder auf dem Beifahrersitz mitbremst (bevorzugt machen das Leute, die selbst nicht Auto fahren können oder wollen). Ich kann im Auto meinen Gedanken freien Lauf lassen, Musik hören oder auch nicht, kann fluchen und rauchen, soviel ich will. Sehr angenehm.

Nun war ich mit einer Freundin unterwegs und auch das war recht angenehm – wenn man mal davon absieht, dass sie in eine dicke Lederjacke gehüllt war, da sie es in meinem Auto saukalt (O-Ton) fand und entweder Hunger hatte oder aufs Klo musste. Wat mut, dat mut, und so haben wir halt bei einer Strecke von 250 km jeweils einmal eine Raststätte angefahren. Hier konnte sie sich auch etwas aufwärmen, denn ich hab’ mich standhaft geweigert, die Heizung höher zu drehen. Ich schlafe ein, wenn es so warm ist und das wollte sie ja sicher auch nicht.

Aber ich schweife ab, ich wollte ja eigentlich von Werner erzählen, den wir auch mitgenommen haben, weil er den Weg kennt. Ich mag Werni, weil er erstens nicht so viel labert und zweitens klare Ansagen macht. Manchmal hatte ich fast schon den Eindruck, er wäre eingepennt, weil er so still war. Vielleicht war die Strecke ja auch keine echte Herausforderung für ihn oder er wollte uns Mädels bei der Unterhaltung nicht stören. 😉
Immer, wenn wir ihn fast schon vergessen hatten, meldete er sich lautstark zu Wort: „An der nächsten Kreuzung links abbiegen“ oder „im Kreisverkehr die dritte Ausfahrt nehmen“. Uups, sind wir erschrocken! Ich hab’ aber immer brav das gemacht, was er mir vorgegeben hat und ruckzuck waren wir an unserem Ziel. Spitze, der Typ! Meine Freundin war so begeistert, dass sie ihm spontan das DU anbieten wollte. Bei der ersten Begegnung fand ich das etwas verfrüht und hab’ davon abgeraten, aber wenn Werni sich mich weiterhin gut führt, bin ich da gar nicht abgeneigt.

Mein Mann hat ja auch eine ständige Begleiterin im Auto und das ist ein richtig schwatzhaftes Weib. Ich nenne sie nur „Schlampe“, weil sie so eine verruchte Stimme hat und ich sie sowieso nicht leiden kann. Irgendwo hab’ ich kürzlich gelesen, dass Männer eher auf die Stimme von Frauen achten und dann auch tun, was ihnen gesagt wird. Das allerdings ist bei meinem Mann gaaanz anders. :)) Wenn sie ihm ins Ohr haucht, er möge jetzt rechts abfahren, mault er nur: „Nee, genau DAS mache ich nicht!“ und fährt weiter gerade aus. Ist irgendwie ein gestörtes Verhältnis zwischen den beiden, aber das soll mir egal sein.
Schön, dass das mit Werni und mir so gut funktioniert! :>>

Danke, liebe Bahn

Dafür, dass Du uns tatsächlich nach Dresden und zurück gebracht hast. Danke für die um eine dreiviertel Stunde verlängerte Fahrtzeit, in der wir in die Nacht starren durften; das gelegentliche Aufblitzen einer Ortschaft lenkte von dem schmerzenden Rücken ab. Danke auch für die wiederholten gestotterten Ansagen im Zug, die uns wach gehalten haben und insbesondere für die Ansagen in englischer Sprache, die uns Fahrgästen immer wieder ein breites Grinsen ins Gesicht zauberten. :)) Danke für den lauwarmen Kaffee und die kalten Glieder, die uns zuteil wurden. >:-[ (Schöne Grüße übrigens auch von meinem Apotheker, bei dem ich heute Morgen das komplette Erkältungssortiment erstanden und dessen Tagesumsatz ich erheblich gesteigert habe.)
Danke für den nicht vorhandenen Hinweis am Zielbahnhof, wann der Zug denn nun eintrifft und für das überaus hilfsbereite Personal, das darüber nicht informiert war und die Frage der Abholer mit einem gelangweilten Schulterzucken beantwortete. 😐
Danke, dass ich all diese Erfahrungen machen durfte und nun ganz sicher weiß, wie ich meine nächste Reise gestalten werde. Mit einem besonderen Glücksgefühl habe ich mich heute Morgen in meinem Autositz geräkelt und dem leisen Schnurren des Motors gelauscht. :yes:

Liebe Lokführer, von mir aus könnt Ihr die nächsten fünf Jahre streiken. Mir geht’s am Ar… vorbei! 😛