Gammelfleisch

Hach, war das ein Spaß gestern! Dauer-Schnürlregen von morgens bis abends, ein Tag zum Abhaken.
Um sechs bin ich aufgestanden, hab‘ ein bisschen Kinderstunde geguckt und Kaffee in mich reingeschüttet. Um acht ging der Rollladen hoch – bei uns geht ja alles irgendwie automatisch – und zeigte mir das ganze Elend, das sich draußen abspielte. Nee, das muss ich nicht haben. Jedenfalls nicht am Sonntag. Außerdem hatte ich mittlerweile kalte Füße und überhaupt fand ich es etwas frisch. Also bin ich kurzentschlossen wieder ins Bett, nur um wieder ein bisschen warm zu werden. 😉

Als ich gegen 12.00 Uhr wieder zu mir kam, war das Bett neben mir leer. Ich schlurfte kurz ins Bad und anschließend ins Wohnzimmer, wo sich mein Göttergatte inzwischen auf dem Sessel festgeschnallt hatte, das Notebook auf dem Schoß. Im Fernsehen lief gerade der Fernsehgarten, eine Live-Show des ZDF. In Mainz regnete es also auch! Zur Einstimmung auf das Thronjubiläum der Queen stand die Sendung ganz im Zeichen der englischen Royals. Menschen in Regenjacken und mit klatsch nassen Haaren wippten zu seichter Musik. Die hatten richtig Spaß! :-/

Gegen eins haben wir dann mal gefrühstückt und weil ansonsten nix los war, bin ich anschließend zu einem kleinen Mittagsschläfchen wieder ins Bett und habe bis kurz vor vier bestens geschlafen. Danach wieder Kaffee und ab auch die Couch.
Im Fernsehen lief inzwischen die Live-Berichterstattung aus der englischen Hauptstadt. Die Themse war voll, wie die Londoner U-Bahn zur Rushhour. S‘ Lisbeth stand – umringt von der königlichen Mischpoke – auf einem der Schiffe und fror. (Zähne-)klappern gehört zum Handwerk, da darf man sich nix anmerken lassen! Offensichtlich war sie aber amused, jedenfalls merkte man ihr nicht an, dass sie das Ganze vielleicht lieber von der heimischen Couch aus im Fernsehen beobachtet hätte. Immerhin war sie nicht nur gut behütet sondern auch bestens überdacht, was man von ihren Untertanen nicht behaupten konnte. Die standen in Regenjacken und mit klatsch nassen Haaren – hatten wir das nicht heute schon mal? – am Ufer und jubelten ihrem Staatsoberhaupt mit Fähnchen zu. Die Bilder wiederholten sich und dazu die sonore Stimme von Rolf Seelmann-Eggebert … mir wurde es bald zu viel.

Ich schnappte mir meinerseits das Notebook und beantwortete während dessen ein paar Emails. Lisbeth winkte. Irgendwann wurde es auch meinem Mann zu viel und er schaltete um auf irgendeinen Sportsender. Das interessiert mich ja nun noch weniger und ich beschloss, den Schlafzimmer-Fernseher zu bemühen. Irgendwo wird es ja noch eine nette Schnulze geben, die noch nicht x-mal wiederholt wurde. Ich landete also wieder im Bett und schaltete in den Sendern rum.
Es gab nix.
Es gab die Queen oder die Queen.
Ich verfolgte einen Bericht über den royalen Arbeits-Alltag und war erstaunt, was die alte Dame sich noch so alles zumutet. Irgendwie tat sie mir plötzlich leid. Einen vergammelten Sonntag im Schlafanzug ist in ihrem Kalender wohl nicht vorgesehen. :no:

Fazit: S‘ Lisbeth hat es auch nicht leicht; da bin ich doch lieber als Gammelfleisch geboren!