Ja wo laufen sie denn?

Durch dein Wohnzimmer, Caipi. Durch dein Wohnzimmer!

Heute kamen meine Mannen mit einer Stunde Verspätung und ich dachte, die hätten jetzt schon keinen Bock mehr auf die Ochsentour bei uns. Nee, sie hätten so viel aufzuladen gehabt, erklärten sie mir und deuteten auf ihre Pritsche. Massenhaft Schalungsbretter, Moniereisen, Speiskübel etc. grinsten mich von dort an. Als erstes bauten sie sich mal eine Rampe vom Lkw direkt auf das Podest der ersten Treppe. Ich hoffe nur, dass der Transport von Sand, Kies und Splitt mittels Schubkarre über eben diese Rampe funktioniert, niemand abstürzt und auch das Material wohlbehalten auf der anderen Seite des Grundstücks ankommt.

Der Arbeitertrupp besteht aus dem Chef, der schon ein etwas älteres Semester ist und die schweren Arbeiten lieber seinem Angestellten überlässt. Der ist von kräftiger Statur und klotzt richtig ran; abends spürt er wahrscheinlich seine Knochen nicht mehr. Dann gibt’s da noch ein Lehrbubchen, der wohl gerade erst angefangen hat und noch nicht so richtig weiß, was er eigentlich auf der Baustelle soll. Die meiste Zeit steht er im Weg und staunt, was die beiden Alten mit dem vielen Werkzeug so anstellen. Na gut, vom Zugucken lernt man ja auch eine ganze Menge.
Gestern beim Rausreißen des alten Feigenbaumes hat er sich aber mächtig ins Zeug gelegt. Er hat einen Ast umklammert und sich mit seinem ganzen Gewicht drangehängt. Der Erfolg: der Ast brach ab und das Bubchen saß auf dem Arsch/Allerwertesten. Ein Bild für Götter … und wieder keinen Fotoapparat zur Hand. Echt schade! Heute darf er die Schubkarre schieben, aber nur mit halber Ladung; die ganze Ladung würde ihn wohl umwerfen.

An die Rampe, die sie mir über die Wohnzimmertreppe gelegt haben, habe ich mich inzwischen gewöhnt. Anfangs habe ich dem Ding ja nicht so richtig getraut, aber es hat sich als sehr stabil erwiesen. Man kommt sich vor, wie auf dem catwalk – nur am eleganten Gang muss ich noch etwas arbeiten.

12.15 Uhr: Der Chef haut ab. Ihm ist eingefallen, dass er vergessen hat, Kanthölzer aufzuladen, mit deren Hilfe die Paletten mit Baumaterial auf unserer schrägen Garageneinfahrt zum geraden Stehen gebracht werden sollen. Seine Arbeiter machen derweil Mittagspause. Ich stehe in der Küche und schnippele schon mal Gemüse fürs Abendessen, als es plötzlich dunkel wird und ein riesiger LKW mit Baumaterial vor meinem Fenster zum Stehen kommt. Scheibenkleister, das hat ja gut geklappt! Ist aber alles nicht mein Bier; ich scheuche die Männer von ihrem Mittagessen auf. Es wird mit dem Chef telefoniert und ich höre Worte wie „zwischen 12 und 15 Uhr war vereinbart“ und „ich kann nicht überall warten“. Der Fahrer des Lkw ist ein bisschen angefressen. Mit List und Tücke bugsiert er die Paletten auf die schiefe Auffahrt und ich halte die Luft an. Bis jetzt hält die Chose. Ich bin mal gespannt, was passiert, wenn die Herren einzelne Teile von den Paletten wegnehmen.

Seit 13.30 Uhr ist hier übrigens schweres Gerät im Einsatz und ich gucke mal, ob ich nicht ein etwas ruhigeres Plätzchen finde.

Werbeanzeigen