Weihnachtspost

… auch so was, wovor ich mich gerne drücke. Lässt sich aber nicht immer vermeiden, schließlich freut man sich ja selbst über liebe Grüße und sollte die dann wenigstens erwidern.
Manchmal erübrigt sich das allerdings auch. Die Weihnachtskarte unseres Steuerberaters beantworte ich nicht … schließlich haben wir ihm erst kürzlich ein dickes Kuvert mit unseren Unterlagen in den Briefkasten gestopft, das muss reichen. Auch die Bank, die uns alljährlich „ein erfolgreiches neues Jahr“ wünscht, kann mich mal; die wollen vom Erfolg nur was abhaben. Die Apotheke wünscht mir ein „neues Jahr mit viel Gesundheit“, verbunden mit einem Gutschein, der beim Kauf von Ginseng-Präparaten oder Stützstrümpfen (HALLO???) eingelöst werden kann.

Firmen schießen in ihrem Weihnachtstaumel auch gerne übers Ziel hinaus. Dieses Jahr kam eine Karte eines Immobilienmaklers, bei dem ich lediglich mal Infomaterial angefordert habe. Er bedankte sich für die gute Zusammenarbeit. Häää???
Auch nett fand ich die Karte einer XYZ-Gesellschaft für Fachwerksanierung und Anstrich mbH. Die dankten zum Jahreswechsel für unser Vertrauen und unsere Treue und hoffen ebenfalls auf weitere gute Zusammenarbeit. :crazy: Ich schwöre, mit denen hatten wir noch nie was zu tun. Weder hatten wir marodes Fachwerk zu sanieren, noch haben die bei uns irgendetwas angestrichen. Keine Ahnung, wie wir in deren Kundenkartei kommen. Die Karte ist mit 55 Cent frei gemacht und ist fürn Arsch fürs Altpapier. Unsere 55 Cent und die der übrigen unnötig Angeschriebenen landen im nächsten Jahr auf den Rechnungen der tatsächlichen Kunden. Ein Grund mehr, unser Wohnzimmer lieber selbst zu streichen. 😛

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Vom alt werden

Es gibt Leute, die machen mich fertig mit Begeisterung alt werden. Sobald man sie irgendwo trifft, erzählen sie von den Beschwerden, die mit ihrem fortschreitenden Alter zusammen hängen. Wohlgemerkt, ich rede nicht von den Leuten 60+, sondern von jungen Hüpfern. Die 60jährigen nehmen die Zipperlein gelassen hin, schmieren Rheumasalbe und springen in die Roller Blades. In einer Zeit, wo die ältere Generation fit ist wie nie zuvor, sollte altern doch Spaß machen, oder?
Und was passiert? Die Jungen üben sich in Altersbeschwerden. 🙄

Bestes Beispiel ist eine flüchtige Bekannte, die ich schon seit ein paar Jahren kenne und gelegentlich mal treffe. Gnade Dir Gott, Du fragst sie, wie es ihr denn gehe!
Als mit Anfang dreißig ihr Zyklus mal ein klein wenig durcheinander war, sprach sie von „beginnenden Wechseljahren“. Andere Frauen kriegen mit über vierzig ihr erstes Kind. Ihre Rückenbeschwerden waren „Verschleißerscheinungen“. Ihre Gesundheitsschuhe trägt sie seit Beendigung der Pubertät und ob sie jemals etwas anderes als Stützstrümpfe besessen hat, wage ich zu bezweifeln.
Ihre Gedanken kreisen um Krankheit und Siechtum, ihr Medikamentenschrank würde jeder Apotheke zur Ehre gereichen.

Natürlich hat sie einen genauen Überblick über ihre Rentenanwartschaften, ist der Letzte Wille niedergeschrieben und ich verwette meinen Hintern, dass sie schon Ausschau nach einem passenden Seniorenstift gehalten hat. Sie ist – glaube ich – noch keine fünfzig!

Das Leben geht einfach so an ihr vorbei und sie merkt es nicht einmal. Was kann man tun? Ich muss immer an mich halten, damit ich sie nicht durchschüttele und anschreie, sie solle doch endlich mal mit Spaß durchs Leben gehen.
Sie hat keine Ahnung, wie sich ein Schwips anfühlt oder wie es ist, erst im Morgengrauen von einer Party nach Hause zu kommen. Eis essen im Winter? – Fehlanzeige, das verträgt ihr Magen nicht. Mal wild abtanzen, Rad fahren oder Langlauf (lernen) – ach nein, dann hat sie gleich wieder eine Muskelzerrung. Logisch, es muss eine Zerrung sein, bei anderen reicht es nur zum Muskelkater. Reisen? Besser nicht, das fremde Essen …!

Ich weiß echt nicht, wie man ihr zu etwas mehr Spaß verhelfen kann. Irgendwie tut sie mir leid. Andererseits, was man nicht kennt, vermisst man auch nicht, oder? ;D