Stehpinkler

Hach, ich weiß! Bei der Überschrift rollen die ganz männlichen Kerle die Augen und der Gummihandschuh bewehrten Damenwelt stellen sich die Nackenhaare. Das ewige Streitthema zwischen den Geschlechtern!
Sie: „Ich setz’ mich doch auch“.
Er: „Das gäbe ja auch eine Riesensauerei, wenn Du im Stehen …“.
Sie: „Das ist kein Argument“.
Er: „Ich mach’ ja schon immer die Brille hoch, was willst Du denn noch?“
Die Diskussionen kennen alle zur Genüge.

Meine bessere Hälfte hatte früher eine Skatrunde, die sich regelmäßig und reihum bei den Mitspielern zu Hause traf. Die Mädels durften Essen machen und hinterher das Klo schrubben. Die Jungs waren alles lange Kerle und wie frau weiß, ist die Streuung noch besser, wenn die Ladung aus großer Höhe abgefeuert wird. 🙄 Der Strahl spritzt in die Schüssel und von da aus zurück auf den Rand, die hochgeklappte Brille, die Innenseite des Deckels, Wand und Boden und – besonders appetitlich, weil geruchsintensiv – gegen die Heizung, die direkt neben dem Klo hängt.
Die Herren focht das alles nicht an. Sie hatten es eilig und nach ein paar Bierchen lässt der Hang zu Hygiene irgendwie sowieso nach.

Irgendwann hatte ich die Faxen dicke und hab’ einen entsprechenden Aufkleber auf der Innenseite des Deckels angebracht. Genutzt hat das auch nichts. Der einzige, der diesen Aufkleber interessiert betrachtet hat, war mein kleiner Neffe. Er war auch der einzige, der mit Erlaubnis im Stehen strullern durfte. Sein Hähnchen passte gerade so über den Rand der Kloschüssel und so üppig war der Strahl auch nicht, dass er damit hätte großartig rumsauen können.

Er stellte sich auf die Zehenspitzen, zerrte die Hose runter und sein Zipfelchen über die Brüstung. „Was macht der Mann da?“, fragte er mit piepsiger Stimme, und beim nächsten Mal: „Warum ist das durchgestrichen?“. Inzwischen ist der Bursche größer und benötigt beim Gang aufs Klo keine fremde Hilfe mehr. Ich fürchte, aus ihm ist inzwischen auch ein gewohnheitsmäßiger Stehpinkler geworden, der versonnen seinem Strahl nachschaut und den Aufkleber keines Blickes mehr würdigt.

Manchmal wünschte ich mir ja auch, ich könnte meine Notdurft im Stehen verrichten – bei Bedarf auch in freier Wildbahn.
Inzwischen sehe ich das etwas anders. Bei der letzten Auswärtsfahrt unseres Fanclubs wurde einer unserer Wildpinkler von der Polizei erwischt und darf jetzt ein Bußgeld von € 30 (in Worten: Dreißig!!!) berappen.
Aus war’s mit meinem Penisneid! ;D
Ich zahle fürs Pieseln brav 50 Cent und kriege die noch auf meinen Kaffee angerechnet.