Verkehrte Welt

Ein bisschen komisch ist es ja schon, wenn man sich plötzlich in einer Welt wiederfindet, die die eigene ist … und trotzdem so fremd.

Ich stehe vorm Supermarktregal und starre auf fünfzig verschiedene Brotsorten. Mit Körnern und ohne, aus Kartoffeln, Weizen oder Roggen, mit Kürbis und Leinsamen und all so’m Zeug. Irre, aus was man alles Brot machen kann! Lange gab es nur Weißbrot und ich hatte unsere Brot-Vielfalt eigentlich gar nicht vermisst. Jetzt stehe ich hier und habe keinen Plan, was ich kaufen soll!

Ähnlich erging es mir vor dem Kleiderschrank. Was verdammt noch mal zieht man eigentlich an, wenn es draußen kalt ist? Socken, ok. Und dann? T-Shirt (vorsichtshalber langärmlig) … ob das reicht? Gut, kommt ja noch ein Mantel drüber. Handschuhe, wo sind die gleich wieder? Brauche ich auch was für über die Ohren oder gar einen Schal? Ab welchen Temperaturen habe ich sonst einen Schal getragen?

Normalerweise fängt man im Herbst an, die dünnen Sachen wegzupacken und die etwas wärmeren Klamotten griffbereit im Schrank zu platzieren. Jetzt muss ich ganz nach hinten in die Schränke krabbeln um an langärmlige Teile zu kommen.

Am Mittwochabend waren wir im dicken Schneesturm in Frankfurt gelandet. Ich hatte nur ein Sonnentop und eine langärmlige Bluse an; der Übergangsmantel ruhte griffbereit im Handgepäck. Gebraucht habe ich ihn nicht, im Flughafen selbst ist es ja warm und im Auto auch.

Selbst zu Hause funktionierte die Heizung *freu*, auch wenn es dort noch nicht so richtig kuschelig war. Mir war es egal, beim Ausräumen der Koffer hab‘ ich jedenfalls nicht gefroren. Wo tut man das ganze Zeug nur wieder hin? Überall im Haus gab es Urlaubsberge: schmutzige Wäsche, Mitbringsel, Reiselektüre, einen Sack Schuhe (sämtlich derzeit nicht zu gebrauchen, weil offen und nur mit Riemchen am Fuß gehalten), Erinnerungen und die Abschiedsgeschenke unserer Freunde, Proviant – was man halt so in Koffern und Taschen mit sich rumschleppt.

Nun ist schon wieder Sonntag, der Alltag hat uns wieder und die Berge sind auch abgetragen. Alles ist wieder halbwegs normal und gestern haben wir es sogar geschafft, die Wohnung ein bisschen auf Weihnachten zu trimmen. Sehr beschränkt zwar, aber immerhin. Am späten Nachmittag gab es dann den ersten Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt und seit dem fühle ich mich auch wieder heimisch. Weihnachten fühlt sich einfach besser an, wenn es kalt ist und einem der Duft von heißen Maronen, Glühwein und Kartoffelpuffern um die rote Nase weht!

Euch allen einen schönen dritten Advent!