Platz schaffen

Die befriedigendste Beschäftigung im jeweils neuen Jahr ist für mich das Entsorgen von alten Buchungsunterlagen, ungelesenen (und deshalb sorgsam gehüteten) Fachzeitschriften, altem Schriftwechsel, überholten Preislisten, ungenutzten Angeboten, Uralt-Kontoauszügen etc. :yes: Ich liebe diese Arbeit, obwohl sie körperlich durchaus anstrengend ist; so ein prall gefüllter Ordner wiegt ja schon einiges und alle müssen mehrmals hochgewuchtet werden.

Nachdem mein Schreibtisch unter den Ablagehaufen kaum noch zu sehen war – in den letzten Monaten beschränkte sich die Büroarbeit darauf, einfach alles irgendwo auf einen Stapel zu schichten – habe ich heute alle Termine abgesagt und mich ans Werk gemacht. Das Ergebnis: Sieben leere Leitz-Ordner und zwei freie Regalfächer. :>> Kinners, ist das schön!

Ein dicker Papierberg liegt noch neben dem Reißwolf, der seinen Dienst heute schon ein paar Mal wegen Überhitzung verweigert hat (und mir Zeit gibt für eine kleines Pause und ein paar Zeilen im Blog). Zwei große Säcke Papierschnipsel stehen schon zum Abtransport bereit, weitere werden folgen und die werden ganz sicher nicht mehr in die Papiertonne passen. Das ist aber egal, die können auch nach dem Urlaub noch in die Tonne. Hauptsache in den Regalen ist wieder Platz für neuen unnützen Papierkram!

Lieber Gott, bitte mach, dass diese Ausmistwut noch möglichst lange anhält … die Kleiderschränke bräuchten auch mal wieder eine Generalüberholung!

Erstaunlich,

dass Leute zwar älter werden und sich äußerlich nicht immer zu ihrem Vorteil verändern, im Innern aber doch die Alten bleiben.

Gestern war wieder einmal ein Treffen unserer alten Clique. Nachdem wir uns einige Jahre völlig aus den Augen verloren hatten, ziehen wir das jetzt einmal pro Jahr durch und verabreden uns zum Mittagessen und Klönen und Spaß haben. Bemerkenswert finde ich dabei immer, dass die alte Vertrautheit sofort wieder da ist.

Diesmal hatten wir sogar Zuwachs: einer unserer Freunde ist inzwischen auf den Hund gekommen und … er ist unser erster Rentner! Heiderdaus, da hatten wir natürlich ein Gesprächsthema! Jeder hat inzwischen den (Un-)Ruhestand im Blick und manch einer kennt sogar schon das Datum seines letzten Arbeitstages. 😀

Ein paar Krankheiten wurden durchgehechelt (ohne mich! Aus solchen Diskussionen halte ich mich strikt raus!), ein paar Tipps verteilt, wie man dem Friedhofsblond auf dem Kopf am besten entgegen wirkt, wie man lange Flugreisen schadlos übersteht, was das Hüftgold wirkungsvoll schmelzen lässt, etc.

Und es wurden Bilder geguckt. Der letzte runde Geburtstag, das neue Enkelchen, das anvisierte Rentnerdomizil. Jeder hat andere Vorstellungen, wie er seinen dritten Lebensabschnitt gestalten will, aber alle sind wild entschlossen, aktiv zu bleiben und das arbeitsfreie Leben zu genießen. Ich bin mal gespannt, wie viele der guten Vorsätze wirklich in die Tat umgesetzt werden. 😉

Natürlich wurde auch in Erinnerungen geschwelgt und über Abwesende hergezogen über den Verbleib von Abwesenden diskutiert. Bei der Gelegenheit wurde dann auch der seinerzeit schönste Mann aus Griechenland angerufen, der inzwischen wieder in seiner Heimat lebt. Der Flatrate sei Dank, dass so etwas heute möglich ist, ohne das Konto direkt in die Miesen zu fahren. Er plant demnächst eine Deutschlandreise und dann gibt es vielleicht ein außerordentliches Wiedersehen. Auf den sind wir nämlich echt gespannt! ;D

Leuchtturm der Hoffnung

Es gibt da so Schränke …
die haben mindestens eine große Schublade oder ein Fach, hinter dessen Tür sich so allerhand verbirgt, was nicht für alle Augen bestimmt ist. Nein, ich meine nicht die Nachtschränkchen mit dem Blähboy, morschen Kondomen und irgendwelchem Spielzeug. Ich meine die Schränke, die in Wohn- und Arbeitszimmern, Küchen und gerne auch in Fluren stehen und in denen Dinge aufbewahrt werden, die man/frau gewiss nie mehr braucht, sich aber auch nicht davon trennen möchte. Aus Sentimentalität oder weil sie zum Wegwerfen zu schade sind; vielleicht kommt ja mal jemand, der genau DAS brauchen kann.

Ich geb’s zu, im Laufe der Zeit haben sich bei mir mehrere solcher Fächer angesammelt. Ich finde das auch gar nicht sooo schlimm, weiß ich doch immerhin, in welchem meiner Erinnerungsschränke ich was finden kann. Das Problem ist nur: nimmt man aus einem solchen Fach etwas heraus – meist braucht man das, was ganz hinten versteckt ist – kann man sicher sein, dass hinterher nicht mehr alles hinein passt, was vorher drin war. So erging es mir heute und mir blieb nichts anderes übrig, als bei der Gelegenheit alles noch einmal durchzusehen und mich von einigen Dingen nun endgültig zu trennen.
Vergangenheitsbewältigung sozusagen.
Danach war es tatsächlich möglich, in diesem Fach alles geordnet und übersichtlich unterzubringen und die Klappe ohne Anwendung von Gewalt zu schließen. Jubel!
Zwar verbirgt sich immer noch viel unnützes Zeug hinter besagter Klappe, aber man kann sie jetzt auch öffnen, wenn Besuch da ist – und zwar ohne dass sich auf dessen Gesicht ein hämisches Grinsen breit macht, wenn einem der halbe Inhalt vor die Füße gefallen und man hektisch bemüht ist, seine Habseligkeiten wieder aufzuraffen.
Dieses Schrankfach ist jetzt mein Leuchtturm der Hoffnung! :>>
Noch ist nicht alles verloren, man kann das Chaos besiegen!

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: In meiner Küche gibt es ein Schrankfach, in dem diese überaus praktischen Plastikdosen mit Deckel wohnen, in denen man prima Lebensmittel im Kühlschrank vergessen aufbewahren kann. In diesem Schrank ist Aufräumen vergebliche Liebesmüh’. Jeder Versuch, hier Ordnung zu schaffen, ist zum Scheitern verurteilt, weil man spätestens zwei Stunden später eine dieser Dosen gereinigt aus der Spülmaschine holt und diese sich partout nicht in den dafür vorgesehenen Stapel einpassen lässt oder man eine oder mehrere Dosen herausnehmen muss, um sie danach wieder im Kühlschrank unterzubringen und der Stapel damit auseinandergerissen und instabil wird. 🙄
Ich hab’s inzwischen aufgegeben, praktiziere die Reinstopf- und Rauszerr-Technik und werde mich weiterhin darüber ärgern, dass ich den passenden Deckel nicht finden kann.
Ein bisschen Unordnung soll ja die Kreativität fördern.