Geräusche der Nacht

Seit geraumer Zeit schon zwitschern draußen die Vögel und ich mache mir Gedanken darüber, warum um Himmels willen die so früh aufstehen. Es ist noch ziemlich dunkel, die Umrisse im Schlafzimmer kann ich nur erahnen.
Mir persönlich würde es genügen, wenn die Vögel um sechs Uhr mit dem Radau anfangen würden. Das wäre eine christliche Zeit, zu der man aufstehen kann.

Im Nachbarbett pruddelt ein Außenbordmotor; zumindest hört es sich so an. Ich wälze mich von einer Seite auf die andere und kann mich nicht entscheiden, ob es mir zu warm ist oder zu kalt. Mit Decke kriege ich Schweißausbrüche, ohne fröstelt es mich. Beim Rumdrehen schwappt es jedes Mal leise unter mir – das Wasserbett muss entlüftet werden. Mit zusammen gekniffenen Augen schiele ich zum Wecker, kann aber ohne Brille nichts erkennen.

Ich konzentriere mich auf das Ticken der alten Wanduhr im Wohnzimmer. Leise knarzend holt sie zum Gongschlag aus. Einmal. Super, jetzt bin ich genauso schlau wie vorher. Es ist irgendetwas halbes, denn zur vollen Stunde schlägt die Uhr mehrmals.

Irgendwo knackt etwas. Das Geräusch kann ich zwar nicht einordnen, aber es beunruhigt mich auch nicht sonderlich. Im Rumdrehen versetze ich dem Außenborder im Nachbarbett einen leichten Schubs, was mit einem kurzen Japsen quittiert wird. Danach pflügt er unverdrossen weiter durchs Wasser. 🙄

Monoton surrend windet sich der falsch eingestellte Rollladen im Gästezimmer nach oben. Der müsste mal neu programmiert werden, aber solange dort niemand schläft, stört es ja nicht.
Aus meiner Magengegend kommen grummelnde Geräusche – Kaffeealarm!
Meine Hand tastet sich langsam zur Brille.
Sonntagmorgen, vier Uhr fünfundvierzig. Caipi gibt steht auf.