Unterwelt

Wiedermal was Neues. Seit ein paar Tagen laufe ich mit so einem neumodischen Fitness-Ding durch die Gegend. Nicht, dass ich etwa unter die Trimm-Dich-Freaks gegangen wäre, i-wo! Dazu hätte ich im Augenblick eh keine Zeit; mein Körper muss irgendwie auch so funktionieren.

Interessant ist aber, dass das Ding auch meinen Schlaf überwacht. Da ich ja eher schlecht und obendrein wenig schlafe, habe ich jetzt immerhin schwarz auf weiß, warum ich mich beschisseneiden fühle. Nach knapp zwei Stunden Tiefschlaf (nicht am Stück!), etlichen Wach- und Leichtschlafphasen und einer Gesamt-Penndauer von max. fünf Stunden ist der Tag einfach nicht so lustig. So viele Clowns kann man gar nicht frühstücken!

Dafür ist aber mein Puls gerne ein bisschen höher, obwohl ich nicht annähernd so viele Schritte mache, wie das Gerät für mein Alter und Gewicht als gut berechnet hat. Weil ich eine faule Socke bin Aus Zeitmangel nehme ich halt doch lieber das Auto. Der Schlauberger berechnet sogar die überwundenen Stockwerke und da werde ich dann doch etwas stutzig: Wenn ich bis um acht Uhr morgens fünf Stockwerke runter, und keins hoch gelaufen bin, dann ist da etwas faul. Unser Haus hat einschließlich Keller nur vier Stockwerke und bis um 8.00 Uhr benutze ich nur zwei davon. Lebe ich jetzt etwa in der Unterwelt??
Vielleicht komme ich dem Geheimnis ja noch auf die Spur.

Jedenfalls dient das Ding gleichzeitig als Uhr und Datumsanzeige (brauche ich), das Wetter wird angezeigt (verzichtbar, ich gucke einfach aus dem Fenster) und Emails kann man sich auch anzeigen lassen. Dafür müsste ich dann aber eine größere Lupe mit mir rumschleppen, was wiederum den Herzschlag in die Höhe treiben würde. Den ganzen unsinnigen Quatsch habe ich abgeschaltet und wenn ich Musik hören will, mache ich das Radio an.

Ach ja, und wer mit updates nicht ausgelastet ist, sollte sich so ein Gerät anschaffen.
Ich „liebe“ es ja sowieso, wenn mir blöde Geräte sagen, was ich zu tun habe. Das tun sie nämlich immer im unpassendsten Moment! Ein Hoch auf den Fortschritt!

PS: Soeben bekomme ich den Auftrag „Los!“, was so viel heißt wie „beweg Dich“. Ich sitze gerade mal eine halbe Stunde am Rechner. Das Ding hat sie nicht alle!

Es ist nicht zu fassen

Da sitzt man im Land von Samba, Sonne und knappen Bikinis und friert sich den Allerwertesten ab! Hatte ich das dieses Jahr nicht schon einmal? Dunkel erinnere ich mich, dass der letzte Winter in Deutschland ewig lange gedauert hat und ziemlich kalt und ungemütlich war. Und jetzt das gleiche Spielchen hier …? Nee, oder? 😐
Wir können zwar auch hier heizen, aber die Wärme entfleucht sofort durch die dünnen Wände und die einfach verglasten Fenster. Isolierung ist nicht; rentiert sich einfach nicht für die paar kalten Tage. Allerdings bibbern jetzt alle und reden nur noch vom Wetter.

Der Oktober ist hier das, was unser April ist: unbeständig. Dieses Jahr ist er beständig. Beständig kalt!

Gestern haben wir sogar auf unsere abendliche Caipirinha verzichtet und stattdessen Glühwein gemacht. Das entsprechende Gewürz hatte ich vor Jahren mal als Gag mit nach Brasilien genommen und nie im Leben daran gedacht, dass ich das hier wirklich mal benutzen würde. So kann man sich irren!

Bei dem Gedanken daran, dass wir nächstes Jahr im Winter hier sein werden, wird es mir gerade nicht besser. Meine Kofferliste jedenfalls werde ich ein bisschen modifizieren!
Ich wünsche Euch einen sonnig-milden Herbst … oder zumindest eine funktionierende Heizungsanlage!

Wir sind Süden – ätsch!

In der letzten Zeit haben wir immer öfter neid- und sehnsuchtsvoll via Webcam auf das Thermometer und den Himmel in unserer zweiten Heimat geschaut. Die Sonne lacht vom blauen Himmel und die Temperaturen liegen immer mindestens 5 Grad über unseren hier. Der brasilianische Winter ist um einiges angenehmer, als unser diesjähriger Sommer! Es ist zum Heulen.

Die armen Wettermänner und –frauen wissen schon bald nicht mehr, was sie uns erzählen sollen. Ein Tief jagt das nächste, der Himmel ist einheitlich grau und ich habe das Gefühl, durch das viele Wasser wachsen mir allmählich Schwimmhäute zwischen den Fingern.
Der Blick auf die Wetterkarte verhieß auch gestern nichts Gutes. Nur für den Süden der Republik wurden halbwegs sommerliche Verhältnisse angekündigt. Aha, die Bayern mal wieder! 🙄 Immer eine Extrawurst.

Und nun? Unser Himmel ist blau, die Sonne scheint und man kann ohne Regenkleidung in den Garten. Wie geil ist das denn?! :>> Ich hab’s auch sofort ausgenutzt und mal ein paar welke Blüten abgeschnitten. Bei den meisten hatte ich gar nicht mitgekriegt, dass sie überhaupt aufgegangen waren; wer will schon bei Regen im Garten rumlatschen?

So, und jetzt haben wir es amtlich: wir leben im Süden! :yes: Ich bin wild entschlossen, jeden Sonnenstrahl auszukosten und hoffe, dass das schöne Wetter bis zum Abend hält. Morgen soll es ja schon wieder vorbei sein, auch für die Bayern.

Der Regen bleibt liegen

Ende eines Mittagsschlafes: Langgezogenes Donnergrollen. Ich schäle mich aus dem Bett und schlurfe zum Fenster. Einzelne dicke Tropfen haben lustige Punkte auf die Terrasse gemalt. Der Himmel ist blau und mir ist nicht klar, woher diese Tropfen eigentlich kommen.

Mir ist nach einem Kaffee und so begebe ich mich in die Küche, die auf der anderen Seite des Hauses liegt. Hier ist es so dunkel, dass man fast das Licht anmachen muss. Aus den einzelnen Regentropfen ist inzwischen ein ordentlicher Schutt geworden.

Gierig beobachte ich, wie der Kaffee in die Tasse plätschert und wundere mich über das seltsame Geräusch, das vermeintlich dabei entsteht. Die Tasse ist voll, es plätschert nix mehr – aber das Geräusch ist immer noch da. Ein Blick aus dem Fenster gibt die Antwort; es hagelt!
Bis ich wieder im Wohnzimmer bin, ist die Terrasse weiß. Auf dem Tisch findet eine Art Hagel-Ballett statt; die einzelnen Körner hüpfen unterschiedlich hoch und kullern übers Holz. Das ist schön anzusehen, aber die Heftigkeit des Schauers macht mir Angst.
Die Blüten des gerade aufgegangenen Rhododendrons zucken unter dem Angriff, die Clematis sieht zerrupft und traurig aus, die Blätter meines Pflücksalats werden gerade perforiert. Scheißebenkleister!

Zwei Minuten später ist auch dieses Schauspiel beendet. Die Sonne bahnt sich ihren Weg durch das Grau des Himmels. Von den Bäumen tropft es noch, die weiße Schicht taut auf und versickert langsam. Wenn alles abgetrocknet ist, werde ich mir die Flurschäden mal genauer ansehen, die dieses Aprilwetter hinterlassen hat. Den Petunien hat der Hagel sicher auch nicht gut getan.

Den Mai hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt!

Vier Wochen zurück

… sei die Natur heuer, habe ich gestern von den Wetterfritzen erfahren. Wäre ich selbst nie drauf gekommen. Gerade habe ich das Gefühl, wir sind unserer Zeit voraus, nämlich mitten im April. Heute geht alles auf uns hernieder, was der Himmel so zu bieten hat. Ich bin jetzt fünf Stunden auf und hab‘ außer Sonne schon alles erlebt. Im Moment prasselt ergiebiger Regen auf die Dachfenster – sehr romantisch.
Ich probiere es mal mit einem Fußball-Fangesang: WIR HAM DIE SCHNAUZE VOLL …!

Auf dem Fußballplatz hat das gewirkt. Unser Verein hat jetzt den dritten Trainer dieser Saison. Ist wahrscheinlich ein bisschen zu spät, um den drohenden Abstieg noch zu verhindern, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Was soll’s, lernen wir halt auch mal die 3.Liga-Stadien in Deutschland kennen. 🙄

Also, lasst uns gemeinsam anstimmen: WIR HAM DIE …

Meinen Monster-Wintermantel habe ich übrigens inzwischen gewaschen und eingemottet und ich schwöre: Ich hole ihn nicht mehr aus dem Schrank – komme was da wolle. Ich bleibe stur weil: ICH HAB‘ DIE SCHNAUZE VOLL, ICH HAB‘, ICH HAB‘, ICH HAB‘ DIE SCHNAUZE VOLL!

Und jetzt alle: …!

Antrag

A n t r a g
auf Erteilung von 22° C und Sonnenschein

Antragsteller: Caipirella
Empfänger: Deutsches Wetteramt, Offenbach

Antragsgrund: Frühlingsanfang

Umfang des Antrags: bevorzugt West- u. Mitteldeutschland, mögl. auch Ausdehnung auf die umliegenden Regionen

Tageswetter: 19 – 23° C, blauer Himmel, Sonnenschein
Nachtwetter: Temperatur egal, gelegentlich Regen

B e g r ü n d u n g :
Die Nation hat die Nase voll von Kälte, Schnee und grauem Himmel. Es kann nicht angehen, dass man am 6. April Glühwein trinken muss, um die Kälte zu überstehen und sich die Witterung einigermaßen erträglich zu machen. :no: Auch vom Regen haben wir genug. Der graue Himmel versaut den Menschen die Stimmung und führt zu Depressionen und Lethargie.

Wenn Sie schon an den Temperaturen nichts ändern können, beantrage ich hilfsweise

blauen Himmel und Sonnenschein.

Die im Anhang unter „Kommentare“ aufgeführten Personen schließen sich meinem Antrag an. :yes:

Hochachtungsvoll

Caipirella